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Wie es ist hier zu sein. Ein kurzer Film aus diesem Sommer

  • vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 19 Stunden

Celeste hat für einige Wochen mit uns zusammen gelebt. Dabei haben wir gemeinsam über die Gestaltung der Wände nachgedacht und Schablonen entworfen. Am letzten Tag hat sie uns gefilmt. Wir haben darüber geredet, wie sich „ästhetische und kreative Atmosphären“ erzeugen lassen. Dies ist auch ein zentrales Thema unserer Arbeit an diesem Ort.



01_„Atmosphärengestaltung” und Wandelbarkeit statt Corporate Design

Anstelle von einem festen Designkonzept auszugehen ist es für uns wichtiger, Divergentes und Gegensätzliches miteinander komponieren und „in Resonanz” zu bringen. Wie kann ein historisches Ambiente zugleich auf Zukünftiges ausgerichtet sein? Oder: Wie können wir Natur und Landschaft im aussen nach innen holen?: Wir haben zum Beispiel die Dachfenster direkt am Fachwerk geöffnet, um eine Lichtatmosphäre zu schaffen, so als ob Licht durch die Bäume fallen würde. Organische Materialien wie Holz, Leinen, Leinöl, Lehm, Kalk verstärken diese naturnahe Gestimmtheit im Innenraum.


Ein weiterer Gestaltungschwerpunkt ist: Wie können unsere großen Veranstaltungsräume wandelbar und gestaltungsoffen bleiben, so dass ihr euch hier so einrichten könnt wie es für euch bzw. eure Absichten am idealsten ist. In dem Film habe ich dies nicht ganz treffend als „mental spaces” bezeichnet,

Eigentlich sind dies viel mehr Bewusstseinsräume oder „Bewusstseinshabitate“, in denen ihr mit euch und euren Ideen wie zuhause fühlen könnt. Interessanterweise kann eine angepasste Umgebung auch dazu führen, dass eure Arbeitsergebnisse focussierter und stimmiger sind.


Scheunenlounge als Verwandlungsraum (Oberes Bild aus unserem Handbuch).


Dies Arrangement wurde von einer Agenur für ihren Workshop eingerichtet. Sofalounge fürs Chillen direkt neben dem Präsentations- und Arbeitsbereich.


02_Verdichtung von Atmosphären durch „zeitliche Tiefe”

Mittlerweile wird zu unserem Anliegen „ein kreatives, gemeinschaftliches Feld zu schaffen” zunehmend wissenschaftlich und psychologisch geforscht. Bei Esther Sternberg etwa haben Räume, in denen sich ihre Geschichte in ihren Spuren erhalten hat, eine positive Wirkung auf uns. Sie erscheinen uns vertraut und natürlicher.

Wenn wir einen Raum betreten, der über Jahrzehnte oder Jahrhunderte von menschlicher Bewohnung geprägt wurde, reagiert unser Gehirn anders als in neu geschaffenen Umgebungen.


Dieses Phänomen, des „temperal depth" scheint neuronale Netzwerke zu aktivieren, die mit narrativer Verarbeitung, sozialer Kognition und dem, was Psychologen „Ortsverbundenheit“ nennen, verbunden sind. Abgenutzte Steinstufen, patinierte Oberflächen, die subtilen Unregelmäßigkeiten, die mit dem Alter einhergehen – scheinen ein fast instinktives Gefühl der Verbundenheit mit dem Kontinuum menschlicher Erfahrung auszulösen.


Unser Gehirn ist ständig auf der Suche nach Mustern und Bedeutung, und die subtilen Variationen historischer Materialien bieten genau die Art von ‚„strukturierter Komplexität‘, die unsere neuronalen Netze optimal beschäftigt, ohne sie zu überfordern. Darüber werden wir in einem weiteren Blogpost noch genauer berichten.


Das Gutshaus hat noch viel Geschiche an den Wänden. Esther Sternberg nennt dies „embedded storys”. Auch beim Übermalen mit Lehmfarben haben wir versucht die historisch interessanten Stellen zu erhalten., wo es uns für richtig erschien.




„Bild-Wand-Interaktion“. Bilder hängen wir oft ohne Rahmen auf, weil sie dann besser mit der Wand zusammen gehen und eine atmosphärische Einheit bilden.


03_-„Atmosphären-Levitation“

Die meisten Aufnahmen für diesen Film haben draussen stattgefunden, weil im Haus ein dreiwöchiges Forschungsprojekt stattgefunden hat. Mit Celeste habe ich deshalb einige unserer Wandkonzepte erstmal nur als Simulation entwickelt.


Bei der Friesgestaltung haben wir uns an historischen Mustern orientiert, teilweise waren diese rudimentär in einigen Räumen erhalten. Die Wandgliederung im goldenen Schnitt mit Fuß, Rumpf und Kopfbereich bindet uns ein in eine zeitlose Ordnung, deren erhebende Wirkung heute immer noch völlig unterschätzt wird.




Die Farben werden mit Silikatfarben auf Lehmfarben aufgetragen, damit sie nicht so leicht abgehen. Im Souterain haben wir, wie früher üblich, Kalkfarben benutzt.



Entwicklung eines Raumes im Souterrain. Die Renovierung oder Restauration ist eigentlich nie abgeschlossen. Wandornamente sind meisten Teil der letzten Phase. In dem oberen Bild seht ihr, dass reiner Sumpfkalk bei flächiger Bemalung ähnlich wie ein Aquarell wirken kann.

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