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Zur Aktualität des „schöpferischen und schaffenden Handelns”

Aktualisiert: 23. Feb.


Friedrich Wilhem Joseph Schelling


„Schaffendes Leben ist der Mensch und ist die Welt. Nur was schaffendes, schöpferisches Handeln ist, ist ein Wert. Alles andere ist wertlos. Wer dies noch nicht gesehen und empfunden hat, der weiß nichts von der wahren Wirklichkeit der Dinge und den wahren Zielen des Menschen". F.W.J. Schelling


Was ist Schöpferisches Handeln ?


Schöpfertum ist eine Gestaltungskraft, die wir alle besitzen und die zu leben das Leben erst lebendig macht. Diese steht keinesfalls im Wiederspruch zu den Möglichkeiten ihrer zweckgebundenen Ausrichtung (im Sinne einer „instrumentellen, sekundären Kreativität”, Maslow), sondern ist eher auch eine Bedingung, damit das Ergebnis eines kreativen Schaffensprozesses sinnvoll bleibt.


Dieser Auffassung von der Bedeutsamkeit der uns allen zur Verfügung stehenden „primären Kreativität” hat eine lange Vorgeschichte und innerhalb dieser Vorgeschichte ist für uns ein besonders interessanter, zeitgeschichtlicher Ort der deutsche Idealismus und die Frühromantik.


Vielleicht fing es mit Fichte an, der in „dem Schöpferischen” überhaupt ein konstitutives Moment des Selbst sah und damit in der Folge das schaffende Künstlertum der Romantik inspirierte: Sich selbst und die Welt galt es auf einmal neu zu erfinden.


Oder waren es Kant, welcher in der Vorstellungskraft oder „im freien Spiel der Erkenntniskräfte”,  ein wesentliches Merkmal des Menschlichen überhaupt erkannte? Oder Schiller: „Denn der „Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur ganz Mensch, wo er spielt”

Heute erinnert dies vielleicht den ein oder anderen an den Begriff „Gamification“. Dieser Begriff ist aber viel enger und als eine Art methodische Ertüchtigung gedacht spielerisch und im Kollektiv spezifische wirtschafts- oder auch gesellschaftsrelevante Probleme zu lösen.


Auch in den idealistischen Konzepten ging es um ein gesellschaftliches und humanes Ganzes und um die Frage: In welcher Kulturgesellschaft wollen wir eigentlich leben? Mit der Idee einer Ganzheit war aber noch mehr, war auch die Einbindung des Selbst und des gesellschaftlichen Ganzen in einen Gesamtzusammenhang von beseelter Natur, Geist oder göttlicher „Schöpfung gemeint. Deswegen meint der Begriff „des Schöpferischen“ in diesem Sinne immer auch aus diesem (All-) Ganzen schöpfend.


Und weil diese schöpferische Kreativität zugleich auf den ganzen Menschen in seiner schaffenden Selbstgestaltung abzielte, weil auch das Handeln selbst  grundsätzlich als ein (auch erstmal nicht zweckgebundener) Schaffens- und Schöpfungsakt verstanden und wahrgenommen werden kann, sprach man und sprechen wir vonSchöpferischem Handeln”.


Zur Aktualität des schöpferischem und schaffenden Handelns


1. Neue Technologien ermöglichen es uns sich besser zu organisieren und in kleineren Gemeinschaften vieles selbst zu produzieren. Wir haben unseren Wissenshorizont und unserer Umsetzungsmacht durch die digitalen Technologien erweitert. Das Wissen der Welt steht uns zur Verfügung, wir haben gelernt uns selbst miteinander zu vernetzen, wir haben erfahren, wie sehr tiefgreifend und effektiv durch moderne Technologien unsere materiellen Verhältnisse modellierbar bzw. veränderbar geworden sind.


2. Neue Methoden ermächtigen uns pragmatisch, effektiv und zielführend im Team und auch völlig unabhängig von staatlichen Institutionen Probleme zu lösen. Und es gibt heute kontemplative Methoden, die es uns ermöglichen uns mit der Schöpfung selbst wieder enger und tiefer zu verbinden. Methoden, die uns wieder aus „dem Sein heraus gestalten und schaffen lassen”, die nicht nur zu mehr Nachhaltigkeit..., sondern auch zu einer besseren, fühlbaren „ontologischen Qualität” im Ergebnis führen können.

Denn wir sind nicht nur „Nutzer, Verbraucher und Konsumenten” oder neuerdings aus transhumanistischer Perspektive: Nur klügerer Affen, die dringend ein KI-Upgrade benötigen, um danach als gechippte Biomasse weiterleben zu dürfen.


3. Eine neue Zeitqualität. Dies ist ein weiterer Aspekt, der nicht allen so bzw. sofort offensichtlich sein wird, denn diese ist nicht so sichtbar. Jedoch immer mehr Menschen spüren und fühlen, dass die (alte) Welt nicht mehr wie früher funktioniert, dass diese ihnen bisweilen sogar wie ein Art Matrix vorkommt, auch weil sie selber hellfühlender und innerlich freier geworden sind.


Durch diese uns produktiv machenden Technologien, Methoden und durch eine für viele Menschen immer mehr spürbare neue Zeitqualität und Befähigung unterscheidet sich unsere heutige Ausgangssituation fundamental von den Vertretern des Idealismus und der Romantik , die uns vor (oder seit) zirka zweihundert Jahren in der Aussenwahrnehmung zu einem Land von Dichtern und Denkern gemacht hatten- was ja immer auch als ein Makel verstanden wurde.



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